Der Anfang

Die Geschichte des Quartettvereins fängt im Jahre 1918 an, als sich einige junge Männer regelmäßig in der Gaststätte Alfons Hansen treffen. In geselliger Runde wird hier geplaudert und gesungen, und nach und nach gewinnt der Gesang immer mehr an Bedeutung. Man fängt an mehrstimmige Lieder ein zu studieren, und in kurzer Zeit sind es 10 junge Männer die sich wöchentlich treffen: Josef Kremers, Jakob Küppers, Wilhelm und Severin Reiners, Peter Jöris, Wilhelm Schnock, Engelbert Sonnenschein und Josef Heffels. Diese Gruppe beschließt bald, einen Männergesangverein zu gründen. Bei der konstituierenden Sitzung am 1. Februar 1919 in der Gaststätte Peter Hansen (Altes Brauhaus) gab man sich den Namen „Quartettverein Karken" und wählt Josef Kremers zum 1. Vorsitzenden. Konrad Borg aus Kempen ist der erste Dirigent. Als Vereinslokal wählen die Gründer die Gaststätte Alfons Hansen, und in der ersten Satzung bestimmen sie:

„Zweck des Vereins ist, Gesang und Unterhaltung zum eigenen, sowie zum Wohle der Allgemeinheit zu pflegen.“


Im ersten Jahr seines Bestehens verstärkt sich der Chor auf Vorschlag seines Dirigenten Konrad Borg vorübergehend durch Sängerinnen und Sänger aus Kempen. Doch schon nach kurzer Zeit findet diese Übergangslösung ein einvernehmliches Ende, da neue Karkener Männer dem Quartettverein beitreten. Mit dem neuen Dirigenten Karl Perey aus Heinsberg, nimmt dann im Jahr 1922 der noch junge Chor mit seinen 14 Sängern an einem Wertungssingen in Höngen teil. Zur Überraschung aller, erringen sie unter den insgesamt 28 auftretenden Chören im Ehrensingen den ersten, und im Wertungssingen den zweiten Preis. Das Selbstbewusstsein wächst, und ein stetiger Aufwärtstrend begleitet den Verein.

Zu dieser Zeit werden auch die ersten Theateraufführungen vorbereitet, die sich in späteren Jahren zu überaus beliebten Operettendarbietungen steigern. Jeweils am zweiten Weihnachtstag und am Dreikönigsfest finden die zur Tradition gewordenen Aufführungen statt.

Schwere Zeiten

Trotz Inflation und Arbeitslosigkeit erlebt der Chor eine stete Aufwärtsentwicklung, die nur der ideellen und opferfreudigen Gesinnung der Sänger zuzuschreiben ist. Die politische Situation in Deutschland allerdings beschert auch dem Quartettverein eine Krise. Bei der Auswahl der Lieder und Theaterstücke endet die bisher gewohnte Freiheit an politisch und ideologisch vorgegebenen Barrieren. Die Sänger dürfen nur noch zum Besten geben was der Partei gefällt. 1935 übernimmt der langjährige Vorsitzende Johann Windelen die Dirigentschaft. Mit Beginn des zweiten Weltkrieges werden fast alle Mitglieder zur Wehrmacht eingezogen und lassen in diesem unsinnigen Krieg ihr Leben.

Nach Kriegsende sind es Johann Windelen als Dirigent und Vorsitzender, und Martin Schieren als Vorstandsmitglied und Spielleiter der Theatergruppe, die dem stark geschwächten Verein neuen Mut und Auftrieb geben. Neue Sänger schließen sich der Gruppe an, und die Theaterveranstaltungen werden wieder erfolgreich aufgenommen. Sie begeistern weit über Karkens Grenzen hinaus.
Auf Vorschlag des Chorleiters Johann Windelen tritt der Verein 1953 dem Deutschen Sängerbund bei. 1955 übergibt Johann Windelen auf Grund eines Unfalles einen in der Gemeinschaft innerlich gefestigten, und in der Leistung gut fundierten Chor, an seinen Nachfolger Heinrich Erdweg. In Würdigung seiner überaus hohen Verdienste um den Verein, wird der scheidende Vorsitzende Johann Windelen 1959 zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Sein Amt übernimmt für sechs Jahre Martin Schieren.

Erfolgreich nimmt der Chor an Konzerten und Sängerwettstreiten teil. Das Maisingen wird zur Tradition. Dirigent Heinrich Erdweg versteht es auch, die junge Generation anzusprechen, indem er das alte Liedgut pflegt und gleichzeitig der zeitgenössischen Musik einen gebührenden Platz einräumt. Die Theateraufführungen entsprechen jedoch nicht mehr dem Trend der Zeit, weswegen sich die Sänger der Gestaltung des karnevalistischen Lebens zuwenden. Als „Karker Rabaue“ gewinnen sie schnell Anerkennung und Freunde weit über Karkens Grenzen hinaus.
1965 wird Vorstandsmitglied Josef Helmgens erster Vorsitzender und leitet mit viel Geschick und Engagement den Verein.

50 Jahre Quartettverein

Sein 50-jähriges Bestehen feiert der Quartettverein am 25. und 26. April 1970. Unter großer Anteilnahme von Ehrengästen, Gastvereinen und Dorf-bevölkerung findet das Festbankett im Saale Flüh (heute Vereinssaal) statt. Höhepunkt bildet hier die Jubilar Ehrung. Die Goldjubilare Wilhelm Schnock, Peter Joris, Josef Wallraven und Josef Heffels singen zur Überraschung und Freude aller vierstimmig das Lied, das sie nach der Gründung des Quartettvereins, also vor 50 Jahren, als erstes eingeübt hatten. Neben dem Bankett findet gleichzeitig im Festzelt eine Tanzveranstaltung statt. Der Sonntag beginnt mit einem feierlichen Hochamt. Der Quartettverein singt die Festmesse von J. Gruber op. 245 mit neunstimmigem Bläserkorps. Zum Offertorium führt er ein Ave Maria auf, das Heinrich Erdweg vierstimmig gesetzt hat. Um 14 Uhr beginnt der große Festzug mit den auswärtigen Gastvereinen. Anschließend finden auf dem Schulhof die musikalischen Darbietungen der Vereine statt. Den Abschluss bildet eine Tanzveranstaltung im Festzelt.

Nach 20 Jahren uneigennütziger und erfolgreicher Arbeit übergibt Heinrich Erdweg 1975 den Dirigentenstab an Wolfgang Beule. Mit dem neuen Dirigenten muss der Verein wegen Termin-überschneidungen seinen Probeabend von donnerstags auf freitags verlegen. Da der Freitag aber Probeabend des Instrumentalvereins ist, sehen sich die Sänger gezwungen, die Gaststätte Hansen zu verlassen; 56 Jahre lang haben sie sich hier, in ihrem Vereinslokal, wohlgefühlt. Als neues Probelokal wählen sie nun die Gaststätte Randerath. Mit dem jungen Musiker WoIfgang Beule beginnt der kontinuierliche Aufstieg des Vereins. Ein vorweihnachtliches Konzert 1975 im Saale Flüh ist für den Chor der erste Auftritt mit dem neuen Dirigenten. Bereits nach gut einem Jahr beweist der Chor im November 1976 die fruchtbare Arbeit des Dirigenten bei einem gemeinsamen Konzert mit den „Vloatländer Musikanten“ aus Posterholt. Höhepunkt ist das Lied „Habet Dank ihr Freunde“, das zuerst vom Quartettverein mit den Solisten Ernst Windelen und Johann Speis gesungen und von den „Vloatländern“ instrumental fortgeführt wird.

Große Erfolge...

Am 15. Mai 1977 findet erstmals ein Frühschoppenkonzert gemeinsam mit den „Vloatländer Musikanten“ auf dem Schulhof der Grundschule Karken statt. Die Resonanz ist sehr gut, so daß die Veranstaltung in den folgenden Jahren fortgeführt wird. Besondere Beachtung findet das Herbstkonzert 1977. Bei den ausschließlich modernen rhythmischen, der Unterhaltungsmusik nahekommenden Musikvorträgen wird das gute Verhältnis zwischen dem Dirigenten -der jetzt zwei Jahre seines Amtes waltet- und dem Chor spürbar.

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und der auswärtigen Vereine begeht der Quartettverein sein 60jähriges Bestehen mit einem Festbankett am 3. November und mit einem Festzug und Konzert am 4. November 1979. Schirmherr, Bankdirektor Harald Müsse, würdigt in seiner Festansprache die Verdienste der Sangesgemeinschaft innerhalb des kulturellen Lebens der Gemeinde. Er hebt den Mut der Gründer hervor, die damals in schwieriger Zeit den Verein ins Leben riefen. Zur Freude aller sind drei Gründer - und zwar Wilhelm Schnock, Peter Joris und Josef Heffels - anwesend und werden mit einer Jubiläumsurkunde geehrt. Der vierte noch lebende Mitbegründer Josef Kremers kann aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend sein. Höhepunkt des Jubiläums-jahres bildet ein Opernkonzert im November. Ein Jahr lang bereitet man sich auf dieses außergewöhnliche Konzert vor. Bei fünf von insgesamt zehn Opernchören verstärken 28 Sängerinnen die Sänger zu einem gemischten Chor. Schon lange vorher ist das Samstagskonzert im Saal ausverkauft, und deshalb wiederholen die Musikfreunde das Konzert am Sonntag. Das Kulturorchester Dremmen und einige Musiker der „Harmonie“ und der „Vloatländer“ aus Posterholt übernehmen die musikalische Begleitung. Alle Beteiligten, und vor allem der Dirigent Wolfgang Beule, erhalten für diese außergewöhnliche Leistung lang anhaltenden überschwänglichen Beifall der Zuhörer. Ein Musikkritiker schreibt: „Nur Dirigenten von besonderen Graden können das leisten.“. An diesem Abend lässt es sich das Gründungsmitglied Josef Heffels nicht nehmen, in einem begeisternden Schlusswort noch einmal auf die Vereinsgeschichte einzugehen.



Wegen der überaus großen Resonanz über Karkens Grenzen hinaus wird das Opernkonzert mit der Kulturförderung der Stadt Heinsberg genau ein Jahr später, 1980, in der Aula der Realschule Heinsberg wiederholt. Für die instrumentale Unterstützung sorgt das Sinfonieorchester Tegelen/Holland. Die Aufführung wird von Kritikern als „deutliche Steigerung gegenüber der in Karken“ gewertet. Die nächsten Jahre nutzen die Sänger unter Leitung von Wolfgang Beule, die stimmliche Leistungsfähigkeit zu steigern und das Repertoire zu erweitern. Zahlreiche eigene Konzerte und auswärtige Auftritte bestreitet der Verein erfolgreich und genießt schon bald überall einen ausgezeichneten Ruf.

Menskes-Chöre

Ein weiterer Höhepunkt unter der Leitung von Wolfgang Beule, ist 1991 das Weihnachtskonzert, welches der Quartettverein gemeinsam mit den Menskes-Chören veranstaltet. Die Pfarrkirche von Karken ist bis auf den letzten Platz besetzt.
Aber nicht nur zu Hause werden gute Konzerte gegeben. Auf Einladung der Stadt Heinsberg durfte der Quartettverein in 1996 die Stadt kulturell in der Polnischen Partnerstadt Ozimek vertreten. Neben einem Konzert im Ortsteil Antoniów und der musikalischen Gestaltung einer Messe wurde auch beim großen Festakt der Partnerstadt mitgewirkt. Auf Grund der guten Resonanz und den tollen Kontakte die man knüpfte, wurde der Quartettverein im Jahre 2000 wiederum eingeladen, Heinsberg kulturell in Ozimek zu vertreten.


Nicht vergessen darf man die Feste Vorort, so wie das jährlich wiederkehrende Erdbeerfest. Ein Fest für Jung und Alt auf dem Schulhof in Karken. Spiel Spaß und Spannung für die Kinder. Für die Erwachsenen Erdbeerbecher, Kaffee, Kuchen, Grill und selbst gemachen Erdbeerwein. Und wer erinnert sich nicht an der längsten Erdbeerschnitte der Welt mit einer Länge von 22 Meter.

In Vorbereitung auf das 90-Jährige Jubiläums gründet der Quartettverein in 2008, auf Initiative des Vorsitzenden Michael Gornig, den Frauenchor Li(e)dschatten. Nach dem großen Jubiläumskonzert im darauf folgenden Jahr, fängt eine turbulente Zeit für den Verein an. Nur wenige Wochen nach dem großen Jubiläumskonzert, wo auch der neu gegründete Frauenchor seinen ersten Auftritt hat, legt Michael Gornig sein Amt des Vorsitzenden nieder und verlässt den Quartettverein. Der stellvertretende Vorsitzende Gerd Aufdenkamp tritt für wenige Wochen an seiner Stelle, bevor auch er den Verein verlässt. Als Nachfolger wird Utz Schäzle das Amt des Vorsitzenden übernehmen. Doch bereits etwa ein halbes Jahr später, wird auch er das Amt des Vorsitzenden wieder niederlegen.

Heute

Bei der Jahreshauptversammlung im Januar 2010 wird Heinz-Hartmut Märtens zum Vorsitzenden gewählt, der das Amt dann für die nächsten 5½ Jahren innehaben wird. Mittlerweile ist dann wieder Ruhe in den stark geschrumpften Verein eingetreten, und man kann sich wieder auf das wesentliche, nämlich das Singen konzentrieren. Es ist auch die Zeit, wo wir beschließen müssen, das Erdberfest ein zu stellen, da wir mit den wenigen immer älter werdenden Mitgliedern nicht mehr in der Lage sind, ein solches Fest zu stemmen. Im Laufe des Jahres folgt die nächste Hiobsbotschaft: Wolfgang Beule wird den Dirigentenstab abgeben.
Der Quartettverein beschließt daraufhin, eine Chorgemeinschaft mit den ebenfalls unter schrumpfenden Mitgliederzahlen leidenden MGV Kempen, zu bilden. Gemeinsam findet man eine, erstmals in der Geschichte des Quartettvereins, Dirigentin. Ende 2010 übergibt Wolfgang Beule den Dirigentenstab dann an unserer heutigen Dirigentin Marga Mommaas. In nur 3 Monaten Zeit, hat Marga Mommaas es geschafft, das 1. Kaffeekonzert der Chorgemeinschaft, das Frühlingsfest in Kempen, zu gestalten. Doch die Chorgemeinschaft hält nicht lange Stand. 2013 gehen beide Chöre wieder ihren eigen Weg. Auch Li(e)dschatten wird sich noch im Jahre 2013 vom Quartettverein lösen, und wie seit langem von den Damen gewünscht, als selbständiger Chor weiter agieren.

Unsere Dirigentin Marga Mommaas, weiß aber sehr geschickt, aus uns, den kleinen Quartettverein, einen sehr guten Klangkörper zu formen und uns so den Mut zu geben, weiter zu machen. Und sie kann uns allen überzeugen. Die sehr positive Resonanz bei unseren wenigen Auftritten, insbesondere unser jährlich wiederkehrendes Kaffeekonzert, bestätigt die gute Arbeit unserer Dirigentin Marga Mommaas. All unsere Anstrengungen den Quartettverein weiter leben zu lassen, sollen nicht unbelohnt bleiben. In jüngster Zeit konnten wir uns erstmal nach vielen Jahren wieder über Vereinsnachwuchs freuen. Damit sind die ersten Schritte in der richtigen Richtung gemacht, um einen traditionsreichen Verein weiter zu leben. Und damit auch den Ursprungsgedanken unserer Vorfahren und Gründer gerecht zu werden:

„Gesang und Unterhaltung zum eigenen, sowie zum Wohle der Allgemeinheit pflegen.“

Vorsitzender von bis
Josef Kremers 1919 1921
Johann Windelen 1921 1951
Josef Königs 1951 1953
Johann Windelen 1953 1959
Martin Schieren 1959 1965
Josef Helmgens 1965 1986
Johannes Houben 1986 1997
Michael Gornig 1997 2009
Gerd Aufdenkamp 2009 2009
Utz Schäzle 2009 2010
Heinz Hartmut Märtens 2010 2015
Dieter Scherrers/John Arets 2016 heute
Dirigent von bis
Konrad Borg 1919 1922
Karl Perey 1922 1935
Johann Windelen 1935 1955
Heinrich Erdweg 1955 1975
Wolfgang Beule 1975 2010
Marga Mommaas 2011 heute